Zahlreiche Klient:innen und Mitarbeitende von IGL waren bei der 13. Auflage des Festivals im Düsseldorfer Volksgarten dabei
Stell Dir vor, es ist Rock gegen Rechts und alle gehen hin! So ähnlich lässt sich die 13. Auflage des Umsonst-und-Draußen-Festivals im Düsseldorfer Volksgarten beschreiben, die am vergangenen Samstag, dem 22. August 2026, auf der Ballonwiese über die Bühne ging. Mit dabei waren auch zahlreiche Klient:innen und Mitarbeitende von IGL.
Zwischen 14 und 24 Uhr kamen im Tagesverlauf mehrere Tausend Besucher:innen beim traditionsreichen Festival auf der Ballonwiese zusammen.
Inklusion auf und vor der Bühne
Ein Novum der diesjährigen Ausgabe von Rock gegen Rechts war, dass Inklusion nicht nur bei den Rahmenbedingungen des Festivals eine zentrale Rolle spielte, sondern sich erstmals auch im Bühnenprogramm selbst direkt wiederfand: Mit Poti Zero aus Neuss eröffnete erstmals in der Festivalgeschichte eine inklusive Band, die fast ausschließlich aus Menschen mit Behinderung besteht, den Festivaltag. So sorgte sie für ein frühes, inklusives Highlight im Programm.
„Wir wollten Inklusion in diesem Jahr ganz bewusst noch stärker in den Mittelpunkt rücken – nicht nur als eigenen Anspruch an uns selbst, sondern auch als fester Bestandteil des Programms auf der Bühne“, sagt Katja Bieker, langjährige Mitarbeiterin der IGL und 2. Vorsitzende des Trägervereins Rock gegen Rechts Düsseldorf e.V. Die Botschaft ist eindeutig: „Während die Rechte von Menschen mit Behinderung in öffentlichen Debatten neuerdings wieder unverhohlen infrage gestellt werden, stellen wir uns dem entschlossen entgegen: Vielfalt und Teilhabe sind für uns zentrale Bausteine des
gesellschaftlichen Zusammenlebens und somit nicht verhandelbar!“
Auch bei den Rahmenbedingungen wurde auf Barrierearmut geachtet. Ein Rollstuhlpodest, das in diesem Jahr durch die elco (ehemals gemeinnützige Werkstätten Neuss, GWN) ermöglicht wurde, bot mobilitätseingeschränkten und kleinwüchsigen Besucher:innen einen guten Blick auf die Bühne. Das Podest wurde über den gesamten Veranstaltungstag hinweg sehr gut angenommen.
Moderationen und Redebeiträge wurden von der Gebärdensprachdolmetscherin Linda Münch in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt. Auf der Festival-Homepage standen Informationen in Leichter Sprache zur Verfügung. Barrierefreie Toiletten und barrierearme Wege – im Rahmen der örtlichen Gegebenheiten – ergänzten die Maßnahmen.
Damit möglichst viele Menschen das Festival sicher und selbstbestimmt erleben konnten, war außerdem wieder eine Awareness-Crew vor Ort. Sie hatte während des gesamten Tages erfreulich wenig zu tun. Ihre Präsenz und Sichtbarkeit wurden von vielen Besucher:innen trotzdem positiv wahrgenommen und gelobt.
Gemeinsam unterwegs
Für die zahlreichen Klient:innen und Mitarbeitenden von IGL, die das Festival besuchten, bot Rock gegen Rechts die Möglichkeit, gemeinsam einen Tag außerhalb des Arbeitsalltags zu verbringen. Zwischen Musik, Infoständen und Begegnungen mit anderen Besucher:innen konnten sie das Festivalangebot im Volksgarten gemeinsam nutzen.
Gerade für Menschen mit Behinderung sind Zugänge zu Kultur- und Freizeitangeboten nicht immer selbstverständlich. Maßnahmen wie ein Rollstuhlpodest, Informationen in Leichter Sprache oder die Übersetzung in DGS können dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen.
Dass Inklusion bei Rock gegen Rechts in diesem Jahr auch auf der Bühne stattfand, setzte dabei ein zusätzliches Zeichen. Poti Zero eröffnete das Festival und war damit nicht nur Teil des Publikums, sondern aktiver Teil des kulturellen Programms.
Starkes Line-up auf der Ballonwiese: The Busters als Headliner
Auch darüber hinaus hatte Rock gegen Rechts musikalisch einiges zu bieten. Insgesamt sechs Live-Acts unterschiedlicher Musikrichtungen standen auf der Bühne. Zum umjubelten Line-up der diesjährigen Auflage gehörten außerdem die Düsseldorfer Lokalmatadore von The NAGGS, der virtuose Elektro-Solokünstler MPC Lafote, die feministische Rapperin Liser aus Köln sowie die bereits erwähnten
Poti Zero aus Neuss.
Als Headliner und somit die letzte Band des Abends standen The Busters auf der bunt beleuchteten Open-Air-Bühne im Volksgarten. Ihr energiegeladener Auftritt brachte die Menschen auf der voll besetzten Ballonwiese von der ersten Minute an zum Tanzen.
Mit dem Song „Wehrt euch“ schmetterte die süddeutsche Ska-Formation, die kommendes Jahr ihr 40-jähriges Bühnejubiläum feiert, den Besucher:innen noch die mitreißende Hymne gegen den Rechtsruck im Land um die Ohren, auf die viele schon sehnsüchtig gewartet hatten. Damit brachte sie auf imposante Weise musikalisch auf den Punkt, was seit jeher zentrales Anliegen von Rock gegen Rechts Düsseldorf ist.
Adam Angst aus Köln mit fulminantem Punkrock-Set
Auch die Band Adam Angst wusste die Gunst der Stunde zu nutzen. Als vorletzter Act des Abends lieferten die Kölner ein knallhartes, geistreiches Punkrock-Set ab, das danach vom Publikum in minutenlangen Sprechchören gefeiert wurde.
Durch das Programm führte der bekannte HipHop-Host DuFF, der kurzfristig für die Düsseldorfer Rapperin Tice eingesprungen war. Zwischen den Live-Acts sorgte DJ JayKay, alias Jürgen Krause, für Musik und gute Stimmung.
Austausch über die Musik hinaus
Rock gegen Rechts versteht sich nicht nur als Konzert, sondern auch als Ort für Begegnung und politischen Austausch. Rund 40 Initiativen und politische Gruppen waren in diesem Jahr mit Informationsständen vertreten. Dazu gehörten unter anderem die Hans-Böckler-Stiftung, STAY!, Amnesty International, die Düsseldorfer Drogenhilfe e.V., Jugend gegen Rechtsruck, das zakk und die Kampagne Kein Bock auf Nazis.
So konnten Besucher:innen nicht nur Musik hören, sondern sich auch über gesellschaftliche und politische Themen informieren und miteinander ins Gespräch kommen.
Trotz des anfangs wechselhaften Wetters füllte sich die Ballonwiese im Laufe des Nachmittags immer weiter. Später wurden die Besucher:innen mit reichlich Sonnenschein belohnt. Die Veranstalter:innen dankten insbesondere den Künstler:innen, Bands und Besucher:innen, die zum Gelingen des Festivals beigetragen haben.
Ehrenamtlich, kostenlos und auf Spenden angewiesen
Rock gegen Rechts steht seit seiner Gründung für Vielfalt, Toleranz und eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung. Auch in diesem Jahr ging es deshalb um mehr als ein abwechslungsreiches Konzertprogramm. Das Festival möchte ein niederschwelliges Kulturangebot schaffen, das möglichst vielen Menschen offensteht, und gleichzeitig ein klares Zeichen gegen Rassismus, Intoleranz und rechte Hetze setzen.
Rock gegen Rechts Düsseldorf wird seit 2013 von einem engagierten Team ehrenamtlich organisiert. Das Festival ist kostenlos und nicht kommerziell. Es finanziert sich ausschließlich über Fördergelder, Spenden sowie Einnahmen aus dem Getränke- und T-Shirt-Verkauf.
Der Verein ist Teil des Bündnisses Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ) und beteiligt sich unter anderem an der Bierdeckelaktion „Kein Alt für Nazis“. Für sein langjähriges Engagement gegen Rechts wurde Rock gegen Rechts Düsseldorf e.V. 2024 mit dem SPD-Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Im selben Jahr war der Verein außerdem für den Helga!Festival Award des Hamburger Reeperbahn-Festivals in der Kategorie „Unerschrockene Haltung“ nominiert.
Bei aller Freude über die erfolgreiche Veranstaltung bleibt die finanzielle Situation eine Herausforderung. Als ehrenamtliches und nicht-kommerzielles Festival ist Rock gegen Rechts weiterhin auf Spenden angewiesen, damit die Veranstaltung auch in Zukunft stattfinden kann. Spenden sind, auch über den Festivaltag hinaus, jederzeit über die Festival-Homepage möglich. Auf der vereinseigenen Webseite geben zudem Videos und Fotos ehrenamtlich tätiger Fotograf:innen Einblicke in die zurückliegende sowie in die vorangegangen
Ausgaben des Festivals im Volksgarten.
Ein Zeichen für Vielfalt und Teilhabe
Die 13. Auflage von Rock gegen Rechts hat erneut viele Menschen im Volksgarten zusammengebracht. Für IGL waren die zahlreichen Klient:innen und Mitarbeitenden, die vor Ort waren, ein Teil dieser großen Gemeinschaft.
Mit einer inklusiven Band auf der Bühne, konkreten Maßnahmen für Barrierearmut und einem Festivalgelände, auf dem Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam feiern konnten, wurde Inklusion in diesem Jahr besonders sichtbar.
Rock gegen Rechts hat damit erneut gezeigt, wofür das Festival seit 2013 steht: für eine tolerante, vielfältige und ausgrenzungsfreie Stadtgesellschaft und für ein Kulturangebot, das allen Menschen offenstehen soll.
Die nächste Auflage von Rock gegen Rechts ist voraussichtlich für August 2027 geplant.
Fotos: Sabine Heilig (Fesivalstalker)(1), Dirk Schmidt (2) und Benjamin Löhr (3) für Rock gegen Rechts Düsseldorf e.V.