Am Montag, den 17. November 2025 fand im Diakonie-Institut für berufliche Bildung der Diakonie Düsseldorf das diesjährige Wintertreffen des MEH-Netzwerks Düsseldorf/Niederrhein statt.

MEH steht für „Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen“. Eine solche Schädigung entsteht beispielsweise durch Schlaganfälle, Unfälle, Tumorerkrankungen oder entzündliche Prozesse im Gehirn. Für die Betroffenen ist der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben oft komplex – umso wichtiger ist eine gute Zusammenarbeit aller unterstützenden Systeme.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der In der Gemeinde leben gGmbH (kurz: IGL). Das Netzwerktreffen findet zweimal jährlich – im Sommer und im Winter – statt und hat sich über viele Jahre hinweg als zentrale Austauschplattform für Fachleute und Institutionen etabliert, die Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen begleiten.

Ein starkes Netzwerk für eine komplexe Aufgabe
Das MEH-Netzwerk vereint Vertreter:innen einer Vielzahl von Institutionen: Neben der IGL waren beim Treffen unter anderem der Landschaftsverband Rheinland (kurz: LVR), verschiedener Renten- und Krankenkassen, das Jobcenter, die Arbeiterwohlfahrt (kurz: AWO), Evangelische Stiftung Hephata, diverse Rehakliniken sowie Neuropsycholog:innen vertreten. Ziel des Zusammenschlusses ist es, Wissen zu bündeln, Synergien zu schaffen und gemeinsam passgenaue Unterstützungswege für MEH-Klient:innen zu entwickeln.

Einblicke in die IGL-Arbeit: Angebote für Arbeit, Wohnen und Teilhabe
Als Gastgeberin stellte die IGL ihre Angebote für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen vor – darunter die Bereiche Arbeit und Teilhabe, Wohnen und mehrere Projekte, die Betroffene auf ihrem Weg zurück in den Alltag begleiten. Die IGL setzt dabei auf individuelle Förderung, engmaschige Unterstützung und flexible Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Klient:innen orientieren.

Ein intensiver Moment des Programms war die Präsentation eines 20-minütigen Films über die MEH-Klientin Doris Betz, die ihren persönlichen Werdegang seit ihrer Erkrankung schildert. Der Beitrag machte deutlich, wie viel Mut, Ausdauer und professionelle Unterstützung notwendig sind, um nach einer Hirnschädigung neue Lebensperspektiven zu entwickeln.

Fachvortrag: Zugangswege zu neuropsychologischen Behandlungen
Die Neuropsychologinnen Marion Mosch und Simone Pahl von der Gesellschaft für Neuropsychologie e.V. stellten im Anschluss ihren Vortrag „Zugangswege zu neuropsychologischen Behandlungsmöglichkeiten“ vor. Der Beitrag war stark praxisorientiert und zeigte eindrücklich, wie vielschichtig und individuell die Versorgung in diesem Bereich ist. Besonders hervor hob das Referentinnenduo, wie wichtig klare Informationen, passende Diagnostik und gut abgestimmte Schnittstellen zwischen den beteiligten Systemen sind.

Austausch in Arbeitsgruppen
Nach den Vorträgen hatten die verschiedenen Arbeitsgruppen die Gelegenheit, sich zu vernetzen, Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsam an Lösungsansätzen zu arbeiten. Die kollegiale Atmosphäre erleichterte es, bestehende Kooperationen zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen.

Vernetzung, die wirkt
Der Nutzen dieser engen Kooperation zeigte sich nicht nur in den fachlichen Beiträgen, sondern auch in den vielen Gesprächen zwischen den Teilnehmenden. Wie wichtig eine gut abgestimmte Zusammenarbeit ist, betonte auch Ivona Protic-Specht, Standortleitung Süd der IGL und Organisatorin des Treffens:
„Unser Ziel ist es, die Helfersysteme und die medizinische Versorgung so zu koordinieren, dass sie Hand in Hand arbeiten und Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen effektiver helfen können – durch passgenauere Behandlungsmöglichkeiten, angepasste Arbeitsplätze und eine bessere Teilhabe in allen Lebensbereichen. Barrieren können nur gemeinsam abgebaut werden, und genau das hat dieses Treffen eindrucksvoll gezeigt: So konnte zum Beispiel einem Menschen mit Schlaganfall am Arbeitsplatz geholfen werden, nachdem klar wurde, dass er mit zwei Monitoren deutlich besser arbeiten kann. Solche Erfolge motivieren – auch weil man vielen Akteur:innen im beruflichen Alltag oder auf Fachtagungen immer wieder begegnet und der Austausch dadurch auf Dauer noch engagierter und lösungsorientierter wird.“