KITT? Ist das nicht das sprechende, intelligente Auto, das in den 90er Jahren David Hasselhoff in der beliebten Fernsehserie Knight Rider bei der Verbrechensbekämpfung zur Seite stand? Nicht ganz! Während das Auto K.I.T.T. den Protagonisten der Serie bei spektakulären Verfolgungsjagden unterstützte, beschäftigt sich das KI-Projekt KITT mit der ganz basalen Frage: Wie kann Künstliche Intelligenz den Alltag von Menschen mit Behinderungen erleichtern? Die Herausforderungen im Alltag von Menschen mit Beeinträchtigungen können mit unter mindestens genauso knifflig sein.

Und genau hier setzt das von der Aktion Mensch Stiftung geförderte Projekt von PIKSL an: mit digitalen Helfern, die Menschen mit Behinderungen unterstützen und ihnen mehr Selbstständigkeit ermöglichen. Den Namen haben die Teilnehmenden zu Beginn des Projekts gemeinsam gewählt: Künstliche Intelligenz Teilhabe Trickbox, kurz KITT.

Bereits zu Beginn des Projekts wurde deutlich, dass viele KI-Anwendungen zwar großes Potenzial haben, die Perspektive von Menschen mit Behinderungen bei der Entwicklung solcher Technologien jedoch kaum berücksichtigt wird. Ziel des Projekts ist es deshalb, barrierearme und alltagstaugliche KI-Assistenten zu entwickeln, die Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung ermöglichen und ihre digitale Teilhabe stärken.

Individuelle KI-Helfer für den Alltag
Ein wichtiger Schritt im Projekt war die Vorbereitung der Workshops. In Einzelsitzungen wurden für die Teilnehmer:innen individuelle KI-Helfer erstellt. Diese persönlichen digitalen Assistenten sind speziell auf die Bedürfnisse und Interessen der Teilnehmenden zugeschnitten und sollen sie im Alltag unterstützen.

Doch was genau ist ein KI-Helfer?
Im Projekt KITT handelt es sich dabei um individuell eingerichtete Mini-Programme innerhalb von ChatGPT. Man kann sie sich wie kleine Apps vorstellen, die mit bestimmten Anweisungen, sogenannten Prompts ausgestattet sind. Dadurch wissen sie genau, welche Aufgaben sie erfüllen sollen und wie sie mit den Nutzer:innen kommunizieren.

Ein solcher KI-Helfer kann zum Beispiel darauf trainiert sein, besonders einfache und verständliche Schritt-für-Schritt-Erklärungen zu geben, bei Einkäufen zu helfen oder beim Planen von Aktivitäten zu unterstützen. Der große Vorteil: Die Helfer lassen sich sehr genau an persönliche Bedürfnisse anpassen.

Bei der Erstellung der persönlichen KI-Helfer sind sehr unterschiedliche Ideen entstanden. Zum Beispiel:

  • ein Trainingsplan für ein LARP (Live Action Role-Play),
  • ein Gaming-Helfer, der erklärt, wie man im Spiel seine Fähigkeiten verbessern kann,
  • oder ein Einkaufs-Guide, der Schritt für Schritt erklärt, welche Zutaten man im Supermarkt nebenan für eine Lasagne besorgen muss.

Die Vielfalt der Themen zeigt, dass KI für jede Person ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen kann – je nachdem, welche Interessen, Ziele oder Herausforderungen im Alltag bestehen.

Lernen, verstehen und kritisch hinterfragen
Neben der praktischen Nutzung geht es in den Workshops auch darum, ein grundlegendes Verständnis für Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Im ersten Workshop beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Grundlagen:

  • Was ist eigentlich der Unterschied zwischen KI, Smart-Funktionen und Systemen, die beides kombinieren?
  • Wie funktioniert die Handhabung der Tools?
  • Und was passiert mit den Daten, wenn man KI nutzt?

Im zweiten Workshop stehen Fake News und manipulierte Inhalte im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden lernen, wie sie Falschinformationen erkennen können und wie man verantwortungsvoll mit Daten umgeht, die man im Internet oder in KI-Systeme eingibt.

Der dritte Workshop widmet sich schließlich der Frage, wie KI eigentlich lernt und welche Umweltaspekte dabei eine Rolle spielen. Denn auch Themen wie Energieverbrauch und Ressourcen gehören zu einem verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien.

Im Austausch mit den Teilnehmenden zeigte sich, dass KI für jede Person etwas anderes bedeutet. Manche Menschen stehen der neuen Technologie noch skeptisch gegenüber, während andere ihr bereits sehr stark vertrauen. Für einige ist KI ein hilfreiches Werkzeug im Alltag, für andere eher eine Möglichkeit der Unterhaltung.

Aktuelle Projektphase: KI-Helfer entwickeln und testen
Das Projekt befindet sich derzeit in Phase 1, die voraussichtlich bis zum Sommer 2026 läuft. In dieser Phase werden individuelle KI-Helfer entwickelt und im Alltag getestet. In Workshops und Einzelsitzungen erarbeiten die Teilnehmenden ihre persönlichen Wünsche und Ideen.

Dabei entstehen zum Beispiel:

  • Kochhelfer für Rezepte,
  • Einkaufshilfen,
  • Gaming- und Freizeitassistenten,
  • sowie viele weitere kreative Anwendungen.

In regelmäßigen Treffen wird gemeinsam überprüft, wie gut die Helfer funktionieren. Was läuft bereits gut? Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf? Gleichzeitig erwerben die Teilnehmenden wichtige Kompetenzen im Umgang mit KI – etwa zu Datenschutz, möglichen Fehlern von KI-Systemen oder zum Umgang mit Fake News. Die aktuelle Projektphase bietet auch viel Raum, um neue Ideen zu entwickeln, wie KI im Alltag unterstützen kann.

Ausblick: Ein KI-Baukasten für alle
Nach der aktuellen Testphase sind bereits weitere Schritte geplant. In der 2. Phase sollen die entwickelten Ansätze auf eine eigene Projekt-Webseite übertragen werden. Dort wird es möglich sein, durch das Beantworten einiger Fragen eigene, persönlichen KI-Helfer zu erstellen.

In Phase 3 geht es schließlich darum, das Projekt bekannter zu machen und ein Netzwerk für KI-Hilfen aufzubauen. Ziel ist es, Erfahrungen zu teilen und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, wie KI im Alltag unterstützen kann.

Das Projekt KITT zeigt schon jetzt: Wenn Menschen mit Behinderungen aktiv in die Entwicklung digitaler Technologien einbezogen werden, entstehen praxisnahe Lösungen – und neue Möglichkeiten für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe im Alltag.